Craft Bier – Have Fun (Teil 1 von 2)

10 Apr, 2013
von Marc Rauschmann
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Zum Start des Craft Bier Blogs stellte ich mir die Frage, was für mich persönlich Craft Bier bedeutet. Dazu möchte ich den Blick auf zwei ganz persönliche Epochen in meinem Leben richten: der Lebensabschnitt als Hausbrauer vor 25 Jahren und mein heutiges Leben als Craft Bier Brauer.

Homebrewing

Die Anfänge des Craft Bier Brauens und des Brauens selbst lagen im Homebrewing. Daher ist es aus meiner Sicht mehr als legitim, den Craft Bier Blog mit einem Blick auf das Homebrewing zu starten. Es gibt sogar glaubwürdige Hinweise darauf, dass die Menschen aufgrund des Bierbrauens – also letztendlich des Hausbrauens – sesshaft wurden. Leider wurde das Homebrewing in vielen Ländern aber gesetzlich reglementiert bzw. erschwert.

In den USA war Homebrewing schon zur Kolonialzeit bekannt und gewann während der Prohibition ab 1920 aus nachvollziehbaren Gründen an Bedeutung. Dies geschah noch völlig illegal, war aber die einzige Möglichkeit, an Bier zu kommen (als Schmuggelgut eignete sich konzentrierter Alkohol erheblich besser). Homebrewing blieb auch nach Beendigung der Prohibition im Jahr 1933 illegal. Erst im Jahre 1979 wurde dann das Hausbrauen legalisiert und damit gleichzeitig der Startschuss für die Entwicklung des amerikanischen Craft Bier Marktes gegeben. Die meisten amerikanischen Craft Brewer, die heute die Bierszene beeinflussen, fingen als Homebrewer an. Dabei ging es nicht darum, die Grundversorgung mit Bier, wie zur Zeiten der Prohibition, sicherzustellen, sondern es ging um den Spaß, Bier selber zu brauen. Es ging um den Spaß, die Rohstoffe anzufassen, mit den eigenen Händen nach verschiedenen Rezepten Biere zu brauen. Und natürlich ging es um den Spaß, die Vielfalt der charaktervollen selbstgebrauten Biere mit Freunden zu genießen.

In Großbritannien wurde das Homebrewing zwar schon 1963 legalisiert, der eigentliche Zweck der Anfänge im Homebrewing lag jedoch in der preiswerten Bierherstellung. Dazu bediente man sich entsprechend fertiger Braukits. Erst ab Mitte der 1980er Jahre besannen sich die britischen Homebrewer auf Qualität und darauf, mit den eigentlichen Braurohstoffen – und nicht einfachen fertigen Kits – besondere Biere herzustellen.

In Deutschland fiel für mich der Startschuss im Jahr 1982 mit der Hobbythek Nr. 80. Jean Pütz ist im Grunde der Pionier der deutschen Homebrewer Szene. Seine legendäre Folge mit dem Titel „Bier selber gemacht“ ist in vier Teilen im Web zu finden.

Teil 1: http://www.youtube.com/watch?v=kqoR_EFjgu4

Teil 2: http://www.youtube.com/watch?v=u-a13AEqyhE

Teil 3: http://www.youtube.com/watch?v=FHxG9KW_lNo

Teil 4: http://www.youtube.com/watch?v=55P77WbsyaM

Auch wenn aus heutiger Sicht manches vereinfacht dargestellt wird, so muss man bedenken, dass es vor 30 Jahren darum ging, erste pragmatische Möglichkeiten, insbesondere auch gegen die deutsche Bürokratie, zu schaffen, um Bier legal zu Hause zu brauen. Hier ist der Verdienst von Jean Pütz nicht hoch genug zu schätzen. Dazu ist ein kleiner Rückblick auf die gesetzliche Entwicklung der Biersteuererhebung für Hausbrauer interessant:

Im Gesetz wegen Erhebung der Brausteuer des Deutschen Reiches vom Jahr 1872 (§ 5) war es noch einfach:

Die Bereitung von Bier als Haustrunk ohne besondere Brauanlagen ist von der Steuerentrichtung frei, wenn die Bereitung lediglich zum eigenen Bedarf in einem Haushalte von nicht mehr als 10 Personen über 14 Jahre geschieht.

Im Deutschen Reichsbiersteuergesetz war das Hausbrauen dann immer noch zumindest begünstigt (§ 6, 2):

Für Personen, die obergäriges Bier nur für Ihren Hausbedarf bereiten, wird …. die Steuer …. ermäßigt.

Im Deutschen Biersteuergesetz von 1923, in dem man die Biersteuer aufgrund der Inflation insgesamt deutlich erhöhte, wurde diese Begünstigung dann aber unter einem fragwürdigen Vorwand aufgehoben:

In einer Zeit größter Nahrungsmittelknappheit ist kein Raum mehr für die steuerliche Bevorzugung von Betrieben, die infolge ungenügender technischer Einrichtungen und Kenntnisse wichtige Rohstoffe unvollkommen ausnutzen und damit vergeuden.

In der Fassung des Biersteuergesetz von 1952 mussten Hausbrauer immer noch Biersteuern entrichten. Zudem wurde durch ein Verbot, Anleitungen und Brauzutaten zu verbreiten, das Thema Hausbrauen weitestgehend unterbunden. In § 11 des Biersteuergesetzes hieß es:

Zur Herstellung von Bier bestimmte Zubereitungen aller Art und zur Herstellung von Bier im Haushalt bestimmte Braustoffe oder Brauersatzstoffe dürfen nicht angepriesen oder in Verkehr gebracht werden. ….. Es ist verboten, Vorschriften über die Bereitung von Bier im Haushalt anzupreisen, zu veräußern oder unentgeltlich abzugeben.

Es ist schon erstaunlich, dass man den Hausbrauern, den man in der Weimarer Republik noch mangelnde Kenntnisse vorgeworfen hatte, hier den Zugang zu mehr Wissen verwehren wollte.

Jean Pütz hatte 1982 einen Kompromiss vereinbart und sich dabei auf die höhere Bedeutung der Pressefreiheit berufen. Er durfte schließlich die Anleitung verbreiten und sogar Hinweise auf die Bezugsquellen der Rohstoffe geben. Die verkauften Rohstoffe durften zunächst auch weiterhin nicht als Brauzutaten gekennzeichnet werden. So nahm man Backhefe, Malz für Backmittel, Müslizubereitung oder Malzbonbons und den für Tee vorgesehenen Hopfen. Zudem war eine Bagatell-Regelung mit dem Bundesfinanzministerium ausgehandelt, dass bei bis zu 25 Litern im Monat diese zwar anzuzeigen, aber keine Steuer zu entrichten sei. Dazu gab es pragmatische Ansätze, wie man Zuhause unter Nutzung der vorhandenen Küchenutensilien brauen konnte. Mit dieser Basis starteten auch in Deutschland Anfang der 1980er Jahre vermehrt Hausbrauer und begannen nach ersten Versuchen auch selber Rezepte zu entwickeln.

Im Biersteuergesetz von 1993 wurde dann die Steuerbefreiung wieder aufgenommen (§3, Absatz 3), auch wenn die steuerfreie Menge auf 200 Liter pro Jahr reduziert wurde, und blieb dann wortgleich in der Fassung von 2009 (§ 29, Absatz 2) erhalten.

Der Bundesminister der Finanzen wird ermächtigt, ….Bier, das von Haus- und Hobbybrauern in ihren Haushalten ausschließlich zum eigenen Verbrauch bereitet wird, bis zu einer Menge von 2 hl im Kalenderjahr von der Steuer zu befreien.

Die Hobbythek-Anleitung habe ich altersbedingt leider erst fünf Jahre später in die Hände bekommen, es hat mich sofort gepackt. Es war einfach großartig, zusammen mit Freunden zunächst zu brauen und dann das Bier gemeinsam zu genießen. Da meine Mutter aus den Früchten des Gartens im Herbst Saft herstellte, hatten wir einen regelbaren Entsafter-Topf im Hause, ein ideales Maischgefäß. Später wurde die Chargengröße erhöht und die Maische und Würze in einem alten Kupferkessel auf dem offenen Feuer im Garten erhitzt. Die Gärung fand zunächst in Glasballons, die ich vom Apfelweinkeltern hatte, statt. Das waren die Anfänge als Craft Brewer vor nunmehr 25 Jahren.

[Morgen lesen Sie Teil 2 meines Beitrages.]

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Marc Rauschmann

Marc Rauschmann

Vor mehr als 20 Jahren wurde Marc Rauschmann durch die „Hobbythek” zum Heimbrauer. Die ersten Biere braute er zunächst noch mit dem 20 Liter fassenden Entsafter-Topf seiner Mutter. Die Leidenschaft für die aromatischen, natürlichen Zutaten des Bieres wuchs und mit ihr auch die Ausstattung. Wenig später braute Marc Rauschmann mit einem alten Kupferwaschkessel über offenem Feuer im Garten bis zu 100 Liter Bier für den Eigenbedarf und für Freunde. Früh entwickelte er die Idee, das Kulturgut Bier neu zu interpretieren. Zusammen mit seinem Geschäftsführerkollegen Thorsten Schreiber, gründete er 2010 "Die Internationale Brau-Manufacturen GmbH". Mit der Marke BraufactuM brachte Marc Rauschmann die Craft Bier Bewegung nach Deutschland, die bereits in Ländern wie den USA, Großbritannien oder Italien etabliert war. Damit erfüllte sich seine Vision: Zum einen kann er mit BraufactuM das Brauhandwerk neu interpretieren und raffinierte Eigenkreationen entwickeln, zum anderen seine Suche nach den weltweit besten Craft Bieren fortsetzen und deren Bandbreite präsentieren.

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