Craft Bier Status & Ausblick auf das Craft Bier Jahr 2014 – ein Trend etabliert sich:

24 Jan, 2014
von Marc Rauschmann
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Der Jahreswechsel bietet die Chance kurz innezuhalten, zu reflektieren was im zurückliegenden Jahr passiert ist, und natürlich, um zu philosophieren, was das neue Jahr bringen wird. Dies möchte ich an dieser Stelle kurz in Bezug auf das Thema Craft Bier in Deutschland tun:

Im Rückblick mag man gar nicht glauben, wie schnell sich der Trend Craft Bier nun auch in Deutschland etabliert. Als wir 2010 mit Braufactum anfingen war Craft Bier in Deutschland ebenso wie IPA praktisch unbekannt. Die Branche beachtete das was wir taten nicht bzw. lachte uns mit unseren Ideen anfangs aus. Heute ist es ein wachsender Trend, der allen die mitmachen viel Freude bringt. IPA ist inzwischen nicht nur in der Szene ein bekannter Begriff und auch mit Craft Bier können immer mehr Menschen etwas anfangen.

In der Presse wurde das Thema in den vergangenen vier Jahren immer stärker begleitet und erreichte im letzten Jahr seinen bisherigen Höhepunkt. Schön ist dabei, dass die Berichte fast durchgängig positiv sind und sich viele Redakteure intensiv mit dem Thema auseinandersetzen und inhaltlich gute Artikel verfassen.

Bis 2010 spielte Craft Bier bzw. Craft Beer im Web auf deutschen Seiten ähnlich wie im Print keine Rolle und bei Google war Craft Bier praktisch nicht existent. Heute findet man 16,8 Millionen Ergebnisse für Craft Bier und 65 Millionen Ergebnisse für die engl. Schreibweise Craft Beer. Blogger sind ein wichtiger Bestandteil der Entwicklung. Bespielhaft seien hier der Bierindex als Bierbewertungsportal und Lieblingsbier.de als führendes deutsches Blog genannt.

Brauereien: In den beiden vergangenen Jahren sind immer mehr reine Craft Bier Brauereien in den verschiedensten Landesteilen Deutschlands entstanden. Auch bestehende Brauereien bringen Sondereditionen oder eine ganze Range an Craft Bieren. Es ist schön zu sehen, dass sich mehr und mehr Brauer anstecken lassen, etliche davon auch ihren Beitrag leisten und gemeinsam diesen Markt entwickeln möchten.

Festivals: Das deutsche Craft Bier Festival Braukunst Live! hat sich als Leitveranstaltung fest etabliert. Zudem entstehen immer mehr Craft Bier Festivals in der ganzen Republik, und auf vielen bestehenden Veranstaltungen erobert Craft Bier einen festen Platz.

Handel: In 2010 war BraufactuM Ende des Jahres in 11 Märkten vertreten, Ende 2013 waren es schon über 450 Märkte von Sylt bis ins Allgäu. Regional findet man zunehmend die Produkte der neu entstandenen Craft Bier Brauer. Auch im Internet haben sich inzwischen reine Craft Bier Händler (z.B. bier-deluxe.de)  etabliert, die ein breites Spektrum anbieten. Dazu sind einige wenige stationäre Craft Bier Stores entstanden oder in Planung. Craft Biere aus dem Ausland findet man ebenfalls vereinzelt, die sich aber aufgrund der Pfandregelungen schwer tun.

Die deutsche klassische Gastronomie gibt sich noch zurückhaltend. Allerdings gibt es erste Anzeichen, dass auch hier der Funke übergesprungen ist. Einige Gastronomen haben bereits erkannt, dass das Thema Craft Bier nicht aus einer reinen Getränkekalkulation betrachtet werden kann, sondern ein Mehrwert entsteht, der neue Gäste anspricht und eine Differenzierung und Positionierung zulässt. Auf der diesjährigen Internorga, der führenden Fachmesse für Hotellerie und Gastronomie, wird Craft Bier zum ersten Mal groß in einem eigenen Bereich gespielt.

Rohstoffe: Eine tolle Entwicklung ist, dass dieser Trend nun in Deutschland auch Impulse für die Hopfenzüchtung gegeben hat. Hopfen wird nunmehr verstärkt nicht nur nach der Bitterkraft, sondern auch in Hinblick auf das Aroma betrachtet. So gibt es neue Hopfensorten (und weitere werden folgen), die den Craft Bier Brauern die Möglichkeit geben, auch mit deutschem Hopfen das Spektrum von hopfenaromatischen Bieren zu erweitern.

Alle diese zarten Pflänzlein müssen behutsam weitergepflegt werden. Es ist eine große Chance in Deutschland, diesen tollen Trend weiter gemeinsam zu etablieren. Gleichsam ist es ein Risiko, mit den Mechanismen des klassischen Biermarktes auch schnell diese Pflanzlein zu schädigen bzw. in eine andere Richtung wachsen zu lassen. Wir müssen geduldig sein. Es ist kein Trend, der in der Lage ist, schnell die Entwicklung des Biermarktes – nämlich die Abnahme des Bierkonsums – anzuhalten oder gar zu drehen. Das kann nicht der Anspruch sein. Craft Bier ist ein Trend, der dazu in der Lage ist, das Thema Bier in der allgemeinen Auffassung wieder dorthin zu bringen, wo es hingehört. Bier ist das erste alkoholische Getränk der Menschheit, die Rohstoffe bieten Möglichkeiten, unerschöpflich viele unterschiedliche Biere zu brauen und es macht einfach Spaß, tolle Biere zu brauen und zu genießen.

Meine Erwartung für das neue Jahr ist, dass wir das Thema Craft Bier etwas selbstbewusster angehen und unseren eigenen, deutschen Weg finden. Aus den USA kommt die Offenheit, über den Tellerrand zu schauen. Wir haben aber eine lange Brautradition, auf die wir ebenfalls stolz sein können. Diese und das Wissen, welches wir in Deutschland haben, sollten wir ebenfalls nutzen und mit eigenen Ideen und tollen Bieren unseren Beitrag in der Welt der Craft Biere einbringen. Auch wenn ich selber IPA liebe, muss ich hier doch einmal feststellen, dass Craft Bier mehr als IPA ist, und die Vielfalt, Abwechslung und das Brauen auch ungewöhnlicher Sorten einen essentiellen Bestandteil unserer Philosophie darstellt.

In diesem Sinne freue mich auf das Craft Bier Jahr 2014 und wünsche allen viel Freude beim Genießen und Entdecken vielfältiger toller Craft Biere.

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Marc Rauschmann

Marc Rauschmann

Vor mehr als 20 Jahren wurde Marc Rauschmann durch die „Hobbythek” zum Heimbrauer. Die ersten Biere braute er zunächst noch mit dem 20 Liter fassenden Entsafter-Topf seiner Mutter. Die Leidenschaft für die aromatischen, natürlichen Zutaten des Bieres wuchs und mit ihr auch die Ausstattung. Wenig später braute Marc Rauschmann mit einem alten Kupferwaschkessel über offenem Feuer im Garten bis zu 100 Liter Bier für den Eigenbedarf und für Freunde. Früh entwickelte er die Idee, das Kulturgut Bier neu zu interpretieren. Zusammen mit seinem Geschäftsführerkollegen Thorsten Schreiber, gründete er 2010 "Die Internationale Brau-Manufacturen GmbH". Mit der Marke BraufactuM brachte Marc Rauschmann die Craft Bier Bewegung nach Deutschland, die bereits in Ländern wie den USA, Großbritannien oder Italien etabliert war. Damit erfüllte sich seine Vision: Zum einen kann er mit BraufactuM das Brauhandwerk neu interpretieren und raffinierte Eigenkreationen entwickeln, zum anderen seine Suche nach den weltweit besten Craft Bieren fortsetzen und deren Bandbreite präsentieren.

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