Die einzigartige Verbindung von Craft Bier und Whisky

12 Mai, 2014
von Hans Kemenater
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Auf der Finest Spirits 2013 in München hat ein kleines zufälliges Zusammentreffen zwischen BraufactuM Braumeister Marc Rauschmann und mir dafür gesorgt, dass eine ungewöhnliche Idee entstand, die zwei aufstrebende Branchen verbindet. Es geht um die deutsche Craft Bier Szene und die deutsche Whisky-Szene. Sowohl BraufactuM als auch die SLYRS Bavarian Single Malt Whisky Destillerie sind eine Art Pionier auf dem jeweiligen Markt.

Wir bei SLYRS [=’Schlürs‘] produzieren seit 1999 bayrischen Whisky. Unser Anspruch war und ist es, einen Whisky zu kreieren, der einen eigenständigen, regionalen Charakter besitzt und mit höchsten Ansprüchen an Qualität und Leidenschaft für das Destillateurshandwerk hergestellt wird. Ursprünglich kommt unser Whisky aus der Destillerie Lantenhammer, allerdings ist SLYRS mittlerweile eine eigenständige Firma und produziert auch in eigens hierfür gebauten Gebäuden. Durch die stetige Entwicklung und den immer größer werdenden Zuspruch der Whisky-Liebhaber entwickelte sich aus der verrückten Idee, bayrischen Whisky herzustellen, eine richtige Erfolgsgeschichte.

Bei den Punkten verrückte Idee und hohe Qualität kommt man dann auch relativ schnell auf Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Marken. Eine weitere Gemeinsamkeit ist, dass sowohl das Craft Bier wie auch unser Whisky aus Gerstenmalz hergestellt werden. So kam es aus reinem Interesse an den Produkten von BraufactuM, dass ich einige Biere auf der Finest Spirits probierte. Marc und ich unterhielten uns über die Herstellungsweisen und Besonderheiten seiner Craft Biere. Irgendwann (nach ein paar exzellenten Bieren) entwickelte sich die Idee, ob es nicht passen könnte, ein extra gebrautes Bier in Fässern reifen zu lassen, in denen vorher unser SLYRS-Whisky gelagert wurde. Die Idee war noch nicht einmal richtig ausgesprochen, schon waren Fässer vom Schliersee unterwegs nach Frankfurt.

Markus Becke, Braumeister bei BraufactuM, begann auch sofort ein starkes Craft Bier einzubrauen, welches den Whiskyfässern gut zu Gesicht stehen könnte. Aber damit nicht genug: BraufactuM braute gleich ein weiteres Bier ein, das anders war als das Erste – aber ebenso gut zu den speziellen Whiskynoten, die das Fass durch die vorherige Belegung mit unserem SLYRS-Whisky bekommen hat, passen könnte. So zeigt sich auch hier wieder das große Maß an Kreativität und Experimentierfreude der beiden Firmen. Letzten Endes wurde ein Stock Ale und ein Belgian Dark Strong Ale in die Fässer gelegt. Beide Biere sind sehr stark eingebraut und haben einen Alkoholgehalt von über 11% vol. Nach viermonatiger Reifezeit in den Fässern war es dann soweit und uns wurden von BraufactuM Kostproben zugeschickt. Hierbei entstand ein erster „Konflikt“, denn beide Biere schmeckten uns fantastisch. Da ich nicht der absolute Spezialist im Bereich Craft Bier bin, dachte ich mir, Marc wird schon einen Favoriten haben und mir sagen können, bei welchem der beiden Biere es Sinn macht, dieses weiterzuentwickeln und abzufüllen. Zu meiner Überraschung fiel auch das Urteil von Marc nicht anders aus. Es waren zwar zwei komplett verschiedene Stile und Geschmacksrichtungen, aber jedes war auf seine Weise sehr gut. So kam es dann, dass das Braufactum Team die Idee aufbrachte, beide Fässer auf der Finest Spirits 2014 vorzustellen.

Sowohl das Stock Ale als auch das Belgian Dark Strong Ale wurde an beiden Ständen – von SLYRS und BraufactuM – ausgeschenkt und von den Besuchern verkostet. Es lag also an den Genuss-Liebhabern auf der Messe, welches der beiden fassgelagerten Biere abgefüllt werden sollte. Es war für mich gar nicht so entscheidend, welches Bier sich durchsetzen würde, da mir beide sehr gut schmeckten. Jedoch war es unglaublich zu sehen, wie intensiv und mit welchem Eifer die Besucher die Biere verkosteten, um dann zu diskutieren, welches Bier besser mit den Geschmacksnoten des Whiskyfass harmoniert. Es entstanden sehr interessante Gespräche, die uns zeigten, wie lebhaft diese beiden Branchen sind. Sowohl die Whisky-Liebhaber, wie auch die Craft Bier Genießer haben einen sehr hohen Anspruch an die Qualität und das Besondere der Produkte. Der schönste und beeindruckendste Aspekt dieser dreitägigen Vorstellung und Verkostung war, dass sich zwei Welten wunderbar miteinander vereinen lassen und dass die Summe aus 1+1 eindeutig mehr als 2 ergeben kann.

Übrigens: Das Stock Ale hat die „Abstimmung“ knapp gewonnen. Ich bin über dieses Ergebnis sehr glücklich, da wir jetzt gemeinsam starten können, einen Weg zu beschreiten, der uns und vor allem den Genießern Spaß machen wird!

Die neueste BraufactuM Eigenkreation: Barrel1.

Entstanden aus der ersten deutschen Bier-Whisky-Kooperation, verdankt dieses Craft Bier dem Whisky-Fass der SLYRS Bavarian Single Malt Whisky Destillerie sein angenehm süßlich-fruchtiges Aroma mit einer leichten Whiskynote. Das Craft Bier wird in Kürze im Online-Shop auf www.braufactum.de erhältlich sein.

 

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Hans Kemenater

Hans Kemenater

1999 begann Hans Kemenater seine Ausbildung zum Destillateur bei der bayrischen Firma Lantenhammer, bei der auch der SLYRS Bavarian Single Malt Whisky entsteht. Nach der Ausbildung arbeitete er als Destillateur bei Lantenhammer, bis 2006 die SLYRS Bavarian Single Malt Whisky Destillerie gebaut wurde. Ab dem Moment war Hans Kemenater als leidenschaftlicher Whisky-Kenner mit dem Projekt betraut, eine neue Whisky-Destillerie entstehen zu lassen und diese danach auch zu leiten. Im Jahr 2011 machte Hans Kemenater seinen Destillateurmeister in Berlin am Institut für Gärungsgewerbe und Biotechnologie (IfGB Berlin). Seit nunmehr 15 Jahren arbeitet er jetzt als Whisky-Destillateur – für den gebürtigen Bayern ein Traumjob!

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